Samstag, 7. Mai 2011

Wieder mal Rumänien (April 2011 - Muntii Metaliferi und Trascau)

Meine Urlaubsplanung findet immer weit im Vorfeld der eigentlichen Abfahrt statt. So hatte ich mir für dieses Jahr eine seit langem geplante Bulgariendurchquerung auf einer von mir ersonnenen Südvariante vorgenommen. Aber, wie das dann so ist, wenn alt bewährte Freunde anfragen, bedarf es keiner langen Überzeugungsarbeit, und der Plan wird über Nacht auf den Haufen geworfen.
In Rumänien gibt es immer noch "weiße Flecken“ für mich. Unbekanntes Gebiet.
Die Erstversuche, alles unabkömmliche und verzichtbare gleichermaßen in den Rucksack zu stopfen scheiterten wie immer beim meinem ersten Versuch.
So erfahren und routiniert in Sachen Trekking man auch scheinbar ist. Wie immer zu voll, zu schwer und zu groß ist das Ding da hinten. Und ich kämpfe gegen die Mär des bequemen großen Rucksacks. Bequeme große Rucksäcke gibt’s nicht, denn sie sind deshalb so groß, weil sie voll sind, und weil sie voll sind, sind sie schwer, und schwere volle Rucksäcke sind nie bequem. Es sei denn ich muss sie nicht selbst schleppen.
Bei Costel
Nachdem unser Start dank meines Mitwirkens etwas chaotisch verlief, konnten wir das schnell koordinieren und trafen mit halbtäglicher Verspätung bei Freund Costel in Alba ein.
Während uns der Zug am nächsten Morgen unserem Ausgangsort Simeria entgegen schaukelte, war es nun an der Zeit, die Abende mit Kartenstudium und Informationen aus dem Internet vor Ort in die Tat umzusetzen.
Diesmal haben wir uns keine all zu hohen Berge auferlegt, Muntii Metaliferi und Trascau. Vom-Zug-aus-losgehen ist unser Ziel. Zugegeben unsere beste Karte von der Gegend im Maßstab 1:200 000 ist alles andere als eine Wanderkarte. Aber eine bessere haben wir nicht von dem Gebiet. Vielleicht liegt es daran, dass man hier Gold gefunden hat und das Gebiet auch das goldene Viereck Rumäniens genannt wird. Viele Klammen und Karstgebiete mit Streudörfern und Karrenwegen.
Muntii Metaliferi: Auf dem Weg nach Varmaga
Es ist Mitte April, und der Verzicht auf Schnee fällt uns nicht schwer. Wir fahren in Simeria ein und überqueren zunächst den Mures. Der imposante Tafelberg Magura Uroiului bleibt rechter Hand zurück. Dann paar Kilometer Asphaltstraße in der Sonne. Ach du lieber Himmel: Wir haben das Gefühl, auf einem Autobahnzubringer entlang zu wandern. Wir wollen an dem Tag bis Sacarimb, der legendären Goldstadt, deren seltene Minerale in keinem mineralogischem Museum der Welt fehlen dürften. Das liegt noch 20 km weiter.
Jahrzehnte zurück, fand man die berühmte goldene Eidechse , die sich im Goldmuseum in Brad befinden soll. Ein kristallisiertes Goldblech. Endlich kommt Banpotok in Sicht und damit die Kneipe unten, die uns anlacht. Wir werfen die 20ig-und-kg Rucksäcke ab, die ersten Schweißtropfen sind schon geflossen. Das erste Bier verdampft auf dem Weg durch den Schlund. Kurze Pause dann weiter. Wir wollen etwas essen nach Landesart und suchen das Kastell Maria auf. Wir essen Irisch Stew, dazu HeineckenExport, was nicht so der Renner ist. Die Rechnung auch nicht. Die Gemeinschaftskasse erkältet sich und schrumpft um ein Viertel.
Weiter oben gibt es noch eine Mineralquelle, deren Wasser nach faulem Ei riecht und auch so schmeckt und gerade deshalb so gesund ist. So behaupten es viele der zahllosen Eingeborenen. Zum Überfluss schleppe ich noch einen anderthalb Liter dieses köstlichen Getränkes mit.
Wir lassen uns auf dem allmählich ansteigendem Waldweg Zeit, und stoßen irgendwann wieder auf eine Asphaltstraße in der Ortschaft Varmaga. Endlich die Kneipe … und was für eine Gastlichkeit!!!. Es ist Sonntag und wir werden sehr freundlich aufgenommen, für uns werden Stühle aus dem Haus geholt und Tische zusammengerückt. Sind wir glücklich? Wir sind glücklich!
Guten Morgen!
Mein Rumänisch ist ausreichend, um Brücken zu bauen. Zwischendurch schielen wir nach einem Zeltplatz und werden auf dem Nachbarhang, Minuten oberhalb der Kneipe fündig. Super!-logistische Anbindung nennen wir das. Wirklich ein Osterspaziergang! Wir bestellen für früh Rührei und Kaffee, zelten bei Vollmond auf dem Berg und genießen die Nacht im Zelt unter dem grenzenlosem Sternenhimmel Rumäniens. Am Morgen ist das Außenzelt vereist.
Wir ändern dann etwas den Plan, lassen Sacarimb links liegen und folgen statt dessen dem Bach. Irgend wann verliert sich der Waldweg vor der Höhe, dem wir etwa eine Stunde gefolgt sind. Wird sumpfig und unpassierbar. Vor uns liegt ein Jagdhaus oder so was. Wege suchen ist nicht gerade das, was wir brauchen, aber anders geht es nicht. Wir finden dann einen schmalen Saumweg an einem verkohlten Baum, entdecken weiter oben ein Dorf aus sechs oder sieben Häusern. Niemand ist da außer einem kläffendem Köter. Die Kirche ist offen und so erfahren wir, dass wir in Brocului sind. Kein Ortsschild. Links erkennen wir einen Sendemast auf der Anhöhe, den wir Sacarimb zuordnen. Die Zufahrt zun den Häusern erfolgt über einen einsamen Waldweg, auf dem sich uns bald ein Aro mit Schneeketten nähert, die das vorwärtskommen erleichtern. Die freundliche Auskunft des Fahrers hilft uns weiter, wir verlassen den Kammweg und wandern in Richtung Dorf Mada entlang, erst über eine mit Steinbrocken beladene Wiese und dann entlang einer versumpften Rinne, der Ort Mada ist sichtbar und der Weg weiter unten eindeutig. An der Kirche im Ort Mada stoßen wir wieder auf eine Asphaltstraße. Wir finden das Haus des Italieners, den Freund Hans über den grünen Klee gelobt hat. Die Familienangehörigen oder andere vom Ort sind auf seinem Acker tätig. Er ist auch erst aus Italien zurück. Wir trinken bei ihm etwas und können uns in deutsch verständigen. Mada ist eine Art Negerdorf für Weiße in einer schönen Landschaft. Country.
Pause am magazin mixt in Mada
Das Magazin Mixt hat ein besseres Angebot als früher, wir lassen dort mal für 1 … 2 Stunden die Rucksäcke, um die Klamm ein wenig zu erkunden. Aber der Bach macht dieses Unternehmen nicht möglich, und so steigen wir nur auf der rechten Felsseite den Hang im Walde hoch. Oben entdecke ich eine Höhlung mit Mauerresten von früher. Auf der Zeltwiese wagen sich einige Orchideen hervor, die jedoch noch nicht blühen.
Wir lassen uns den Weg nach Ardeu zeigen und folgen dann der Markierung über den Hang. In Ardeu leben wir mal vom Mitgebrachten, machen Rast im Schatten. Folgen dann den roten Bandweg, wieder über den Berg - 300 Höhen-m über den Sattel, wir blicken in eine interessante Landschaft, Felsen, Klammen, Kirchen und Dörfer, und nur 1000 m bis zur Straße, die gerade gebaut wird. 1000m, die uns wieder mal unsere Grenzen zeigen denn der Weg führte ins Gebüsch. Wir kommen uns vor wie dereinst die Römer. Dornengestrüpp wehrt den ersten Angriff ab, Sumpf den zweiten Versuch. Wir wollen gerade zum Rückzug blasen, als Helmut ein Wanderzeichen entdeckt. Den Weg verlieren wir gleich wieder, aber es gibt eine Möglichkeit da durchzukommen bis zur Wiese neben der Straße und dort gibt es ein Anwesen mit freundlichen Leuten. Die geben uns auf meine Bitte hin zwei Böcke und eine Tischplatte nebst Sitzbank über den Zaun. Eine entlang der Straße führende Wasserleitung fördert Thermalwasser nach unten in das Kurbad. Einer der Arbeiter zeigt uns eine Zapfstelle. Abends lassen wir ausgelassen Costels Flasche Tzuika kreisen, und 60% beißen auch die härtesten Krankheiten in Hals und Leber weg. Die gerade im Bau befindliche Straße wird zukünftig Goagului Bai mit Cheile Cibului verbinden. Wir verlassen alles ordentlich, hangeln das Mobilar über den Zaun und kämpfen uns die Straße hinauf. Zwischendurch paar aufgegebene und halb eingestürtzte Häuser. 4 km sind es nach Cheile Cibului. Zunächst besuchen wir die neu gebaute Klosterkirche, rechts der Asphaltstraße folgend. Aber das ist eigentlich Zeitverschwendung. Etwas züngelt hier der byzantinische Baustil durch und ich tippe mal als Laie auf greco-katolisch. Also auch mit Doppelkreuz. Um das Verwirrspiel komplett zu machen, die Insignien über der Tür sind in kyrillischen Lettern oder sind es die methodischen. Man sehe mir meine Unwissenheit nach.
Unsere Bunica
Unser Weiterweg wendet sich dann gen Cib auf der Asphaltstraße und wir passieren eben das geschlossene und in Ausbau befindliche Magazin Mixt nebst Bar und Pension, als wir von einer Oma zurückgerufen werden. Uns wird aufgetan und als Spezerei des Landes naschen wir von allem hausgebranntem. Sehr angetan sind wir vom Heidelbeerlikör. Die Frucht pur schmecken wir heraus. Leider haben solcherart Getränk in und an sich, dass man das inhalierte Röllerchen nicht sofort bemerkt.
Die Bunika (gütige Alte) fragt eben, ob wir Hunger haben. Und den haben wir. Genauer gesagt sogar einen Riesenhunger, um das mit dem Wetter zu begründen, wir spachteln glatt die Riesenschüssel Ciorba ratze kahl leer. Loben Öhmchen sehr. Ich frage nach den Trachten, die die Puppen in der Ecke anhaben, ob es so etwas noch irgenwann zu sehen gibt, Ömchen verschwindet kurzzeitig und kommt noch mal in einer sehr schönen eigenen Tracht wieder, die sie sonst nur zu ganz besonderen Anlässen anzieht. Heute ist so einer. Unsere Kasse rundet mit Einverständnis aller den Betrag ordentlich auf, wir bedanken uns und gut gelaunt setzen wir den Weg ins nächste Dorf nach Cib fort.
Sanatate, na roc!
Wir lassen nunmehr die Felsen der Cheile Cibului hinter uns, es wechselt die Landschaft und wir durchwandern in einer Hügellandschaft ein Hochtal. Vor der nächsten Tankstelle warten schon Eingeborene an der Haustür mit selbstgebranntem Feuerwasser. Es ist kurz vor Ostern. An einem Tisch vor der berarie erstehen wir Speck, mampfen auch etwas davon und schon ist die Stimmung wieder auf 100. 

"Wenn er anfängt zu rauchen, ...
Jeder Leser wird nun endgültig den Eindruck einer Sauftour gewinnen, so viel wie ich darüber schreibe. Zugegeben, ganz alkoholfrei ging es bei der Tour nicht zu! Dafür sind wir in Rumänien! Ein paar Schäfer fuhrwerken mit ihren Schafscheren am Tisch, der deckt sich gerade wieder mit Ursus Rosu.
Auf eine Wiese schaffen wir es noch. Hier schlafen wir erst mal den Rausch aus. Die Schweine finden Gefallen an Eberhard. Wie und wer die Zelte dann aufgebaut hat, wissen wir nicht mehr genau. Ich gehe nochmal zu den Eigentümern der Wiese und hole Wasser kläre das mit dem zelten.
... macht er es nicht mehr lange."
Gleich an dieser Wiese geht der markierte Wanderweg ab, den wir am nächsten Morgen gehen wollen. Eberhard geht nicht mehr mit uns mit. Er kann nicht mehr gehen, wie er sagt. Er trampt mit einer Gelegenheit nach Zlatna, während wir den Wanderweg dorthin über den Höhenrücken nehmen. Die Gegend ist wunderschön und das Wetter super. In der Ferne erkennen wir einen Bagger und Riesenlaster, die vom Nebenberg schon die Kuppe abgeknabbert haben und die nun schleunigst wegschaffen. Entsteht hier gerade eine neue Goldmine? Der Abstieg nach Zlatna verläuft ziemlich steil über eigenartig rot gefärbten Boden. Erst durch ein Heidebiotop, dann so eine Mischung aus Rutschungshang und Halde.Am Friedhof vorbei. Der Weg ist markiert bis in das Zentrum von Zlatna, wo wir Ebs treffen. Zlatna's Symbol ist der Schornstein auf dem Berg. In diesem, mir als Drecknest in Erinnerung gebliebene Städtchen wird gerade Betonpflaster verlegt, zum vergolden der Oberfläche war nur noch keine Zeit. So mausert sich das mittlerweile. Ebs nimmt Abschied von uns und wir von ihm. Abends will er von Alba nach Hause zurück - fahren, da sein Knie schmerzt. Wir schwelgen nochmals zusammen bei Capuccino und Matschetörtchen, da es kein Steak oder etwas Bissfesteres hier gibt.
Wir sind mit dem Bus gegen 16:30 Uhr von Zlatna nach Bucium abgefahren. Ich habe dem Busfahrer eigentlich unmißverständlich klar gemacht, dass wir bis zum Pass dort oben wollen, und er war der Meinung, uns unbedingt dort nicht herauszulassen, da es dort nur ein... zwei Höfe gibt und sonst nichts... Also hat er uns freundlicherweise über den Pass mitgenommen bis Abzweig Bucium, Cerbu und wie der dritte Namen ist, weiß ich augenblicklich nicht zu sagen. Es lagen noch 10 harte Asphaltkilometer vor uns und ein paar Regenwolken winkten drohend herunter. Wir wichen tapfer in die nahe anliegende Bar aus, um Kraft gegen den inneren Schweinehund mit der Bärenkraft von UrsusRosu zu schöpfen.
Für den Abend hatte auch ich eingewilligt, ein paar Lappen für eine geweißsagte Pension hinzublättern. Wir wähnten uns schon warm duschend, als sich unsere Träume am Abendhimmel in Wolken aus Seifenblasen auflösten. Die Pension war einfach schon besetzt und die Gruppenkasse hätte auch Konkurs anmelden müssen. Aber uns wurde geholfen, und wir durften neben der Schule zelten. Helmut reklamierte vorsorglich Sicherheitsabstand zu dem von mir bewohntem Gewebe wegen angeblicher Geräuschbelästigung die diesem nachts entsäuseln würden und der Hausköter fühlte sich auch irgendwie gestört, so dass alle auf ihre Kosten kamen.
Auf den Detunata Goala sind wir dann rauf
Wir schlürften morgens einen Kaffee im Wirtshaus, und ich bellte den Hund nun auch mal hoch, der jetzt schlief. Dummes Viech. Dann rückten wir einen Kilometer weiter, und was kam ? Die zweite Pension. Der Berg zieht sich dort wie überall in die Höhe. und ab hier sollte es anstrengend werden. Aber! wie bei einer wunderbaren Offenbarung kam nach einer kleinen Pause am Berg eine Hütte in Sicht, in der es Bier und andere schöngeistig-hochprozentige Getränke gab, die ich ja schon erwähnt habe. Der Almwirt lud uns dann zum bleiben ein. Aber die weitere Wegstrecke zählten wir nun nicht mehr nach Kilometern, dafür nach Stunden. Wir hatten vor, den interessanten erloschenen Basaltkegel des Detunata Goala zu besichtigen. Genaugenommen gibt es zwei solcher Kegel hier oben.
In der Ferne sahen wir eine Kirche in einem Schlammteich
Auf den Detunata Goala sind wir dann zwar rauf, dafür an der falschen Seite vorbei, so dass wir die 70m langen Basalt-Nadeln gar nicht zu Gesicht bekommen konnten. Einige Tannen runden hier oben das Bild, und dann wechselte wieder mal die Landschaftskulisse, in der Ferne sahen wir eine Kirche in einem Schlammteich stehen. Kein Spaß!
Über weitläufige Almen ging es hinab in das Dorf Mogosa, uns begleitete seit einer Weile ein ganz lieber Hund, der uns Achtung und Ruhe vor anderen kläffenden Kötern verschaffte. In Mogosa suchten wieder die örtliche Löschstelle für Dürstende auf, kletterten abends dann noch schnell auf einen nahen Bergrücken hinter der Schule, bevor es dunkelte. Von dort oben beobachteten wir die zeremonielle Osterwanderung der Eingeborenen um ihre Kirche. Der Hund rollte sich ins Gras ein und am nächste Morgen wanderten wir den Passweg hinauf Richtung Funkturm. Die Schmettis umschwirrten uns nur so. Endlose Almen und Wiesen, irgendwo ein Brand und in der Ferne tauchten nach Stunden die Felsen der Gegend Intregaldeklamm auf.
Das Problem beim Laufen sind dieAnstiege sowiso. Die Abstiege sind für mich, wenn der Druck sich allein auf den Nagel meines großen Zehes konzentriert, genau gesagt ein Märtyrium .
Die Intregaldehütte ist seit der Wende dicht, das heißt unbewirtschaftet. Sicher waren Cristie, Otti und ich damals die letzten, denen die Wirtsleute vor ihrer Flucht den Schlüssel übergeben haben. Wir haben uns Tee auf einem umgestülpten Bügeleisen gekocht, was wir dort fanden. Den Schlüssel sollten wir dann in den Briefkasten werfen.
Wir haben nicht nachgesehen. Aber heute gibt es eine groß angelegte Bar Alimentara mit überdachter Außenterasse, eine fette Verkäuferin in rot ... und Ursus nebst Timisoarena in Blau. Und eine funktionierende Toilette -Marca Europana in Porcelan!
Kann man so einem treuen Tier böse sein?
Auf dem Berghang gegenüber stellten wir die Zelte am Abend auf, bewacht von unserem Hund. Der erledigte die Morgentoilette nun auch mit. Kein Problem mehr dar. Man schaut kurz aus dem Zelt und wird Schwanz wedelnd begrüßt. Kann man so einem treuen Tier böse sein?
Am Abzweig der Weges nach Cheia übernahm ich mal kurz den Wachdienst, während die Freunde den Kilometer zur Klamm ohne Gepäck hinuntergehen. Dann wanderten wir den mit blauem Dreieck gekennzeichneten Weg hinan zum Pass nach Dorf Botani. Dort sollte es auch irgend eine Holzkirche aus dem 18.Jahrhundert geben. Ein paar Wegmarkierungen sind hier in Botani irrtümlich angebracht wurden, dann ganz blau übermalt, wir haben es gerade noch gemerkt. Also wir hatten es eben doch nicht gleich bemerkt und uns schon verlaufen, aber nur wenige hundert Meter.
Don Quichote und Sancho Pansa leibhaftig begegnet
Auf einem Pferd sind wir dann Don Quichote und Sancho Pansa leibhaftig auf einem Esel begegnet. Don hatte den typischen Hut auf, daran habe ich ihn erkannt. Aber es kann auch der örtliche Pfarrer gewesen sein. Oder ein Landarzt. Von der Anhöhe können wir das Dorf Cheia und auf der Gegenhöhe Bradesti erkennen. Dann geht es hinunter und wir durchstreifen die nächste Landschaft. Wir durchwandern jetzt ein Karsttal. Hier am Bach liegen die Reste von zwei Wassermühlen, die dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind. Dann windet sich der Weg wieder über eine Felsbarriere hinauf. Gegenüber ragen steile Felszacken in den Himmel, neben uns sprudelt eine Karstquelle. Schließlich führt der Weg hinab zu den Wiesen des Dorfs Cheia mit der Kirche. Eine Ein-BaumBrücke führt über den Bach.
Das Dorf selbst besteht nur noch aus zwei oder drei Höfen, die bewirtschaftet sind. Erstaunlich sauber ist es , keine Reste oder Abfälle! Wir schlagen die Zelte auf, heute ist Halbfeiertag. Es ist Ostern und eine Gruppe Rumänen campiert in einem repariertem Haus, was offensichtlich instand gesetzt wurde, um Touristengruppen zu beherbergen. Die Kontakte sind schnell hergestellt, und am Lagerfeuer erzählen wir bis in die Nacht. Denn morgen wird es ernst, wenn es in der Rimetzklamm in der Wand entlang geht.
Lothar schrieb im Tagebuch unserer Tour von 1984:
So viel Angst um mein Leben hatte ich wahrscheinlich noch nie. Der Weg führte über die Rimeti-Klamm. Erst ging es durch's Wasser. Da hatte ich nur um das Gepäck Angst. Da hindurch zu gehen, darauf war ich sehr stolz, weil ich dachte, schlimmer kann es nicht werden. Aber das war kalter Kaffee gegen den Weg über die Rimeti-Klamm. Da hatte mich einigemal der Gevatter Tod schon am Kragen gepackt. Solch einen Weg gehe ich nicht wieder, das ist mein fester Entschluss. Lothar.
Nur um unseren Hund tut es uns leid, aber auf unserem Weg befinden sich paar Kletterstellen und der Weg ist für ihn dann einfach nicht machbar. Irgendwie schafft er die erste Barriere noch aber dann bringt ihn Ralf zurück.
Unsicherheit ist hier fehl am Platze
Das letzte Mal waren wir vor etwa acht Jahren hier, damals vom Kloster Rimetz her kommend. Daher war mir der Weg leichter in Erinnerung. Unsicherheit ist hier fehl am Platze. Der Weg führt hart an der Kante lang, ist aber für einigermaßen Geübte gut zu meistern. Vorausgesetzt bei trockenem Wetter. Sonst kann sich der kalkhaltige Boden leicht in eine schlierige Rutschpartie verwandeln und das Risiko wird unkalkulierbar. Wir sind alle fünf gut wieder auf der anderen Seite der Klamm angekommen. Dann noch mal unten in der Klamm zum großen Brocken durch den Bach. Beim Abstieg zur Cabana bin ich im hohen Laub kopfüber in ein Loch gefallen, zum Glück ohne Verletzungen.
Die Wirtin in der Cabana war gut drauf, wir nahmen auf der neuen Terasse Platz. Weiter unten das Kloster noch angesehen und mit dem Bus nach Teius gefahren. In einer besseren Kneipe haben wir noch sehr gut gegessen und die letzte Nacht auf den Wiesen gen Mures gezeltet. Früh sind wir dummerweise nach Alba gefahren, haben die Fahrkarten für die Freunde bis nach Budapest gekauft. Schade, es wäre weit sinnvoller gewesen, in die andere Richtung nach Schäßburg (Sighisoara) vor zufahren und diese schöne Altstsadt anzusehen. Daran habe ich nicht gedacht. Das bleibt eben für das nächste Mal.
Zwei schöne Touren habe ich noch allein gemacht in der Gegend der Trascauer Berge. Als Stützpunkt hatte ich Remetea ausgewählt und in einer Pension dort das gleiche erlebt wie Willi: Wegen Reichtum geschlossen. Es lohne nicht, wegen einer Person … und gehen sie doch in eine andere Pension. Genau an der Stelle, wo wir vor 8 Jahren hochwillkommen waren.
War aber nicht schwer etwas anderes zu finden. Und dann nachmittags noch mal hoch zum Szeklerstein - Piatra Securii, durch den Mittelsteig, hier gab es sogar Trinkwasser. Die Tour ist nicht schwer, gut gekennzeichnet. Irgend ein Adler oder so etwas großes kreiste um die Felsen. Trascauer Veilchen in Massen und Christrosen mit grünvioletten Blüten, Himmelschlüssel in Massen. Erst mal auf den linken Berg, dann zurück auf den Szeklerstein. Die beiden Obeliske oben, und das hat mich irgendwie sauer aufgestoßen, waren mit ungarischen Nationalfarben bemalt. Beim Abstieg habe ich Rebhühner bemerkt, nach ca.40 Jahren waren es wieder die ersten ihrer Art.
Am nächsten Tag dann von Remetea entlang dem roten Bandweg, mal am Abhang entlang, mal einem Bach folgend bis zur weitläufigen Wiese ohne Kartennamen, dort hilft nunmehr ein neu aufgestellter Wegweiser bei der Orientierung, wo sich vor acht Jahren die Wege etwas in Wohlgefallen auflösten. Der Weg ist bis dahin ausgezeichnet neu markiert. Der weitere Weg mit rotem Kreuz, der Gebrauch von Wanderkarten ist fast überflüssig. Ein paar alte Mauerreste zeugen von früheren Stallungen hier oben. Hinauf zum DrachenTor - Poarta Zmeilor, gleich daneben ist jetzt eine weitere Attraktion zu sehen: "Spre Balcon". das ist eine grandiose Aussichtsplattform aus Holz. Zu Füßen das Tal der Aries. Auf den Felsen herum die seltene Schachbrettblume im Mengen. Mein Blick schweift hinüber zum Kreuzpass, dem Bergsattel zwischen der Wasserschwinde Vinatoare und der Pestera Huda lui Papara. Dort war alles schwarz und abgebrannt, ich hoffe nicht die Motzenhütten mit, die es dort früher gab. Das Dorf Valea Poenie liegt ja gleich dahinter.
Dann steige ich weiter zur sogenannten Elfenwiese (Poiana Izvor Sipote). Diesmal ist hier alles menschenleer, ich finde keine Abfälle! Ich steige hinunter bis kurz vor Salciua, zelte dort kurz bevor die ersten Höfe anfangen. In der Nacht pladdert es. Früh gehe ich in den Ort hinein. Unterwegs ein neuerbautes, irgendwie hässlich wirkendes Hotel. Noch eine interessante Sache: 10 Uhr- und- zerquetschte fährt hier ein Bus ab, von Cimpeni kommend, der über Turda, Tirgu Mures, Toplitza bis Suceava in der Bukowina fährt. Insgeheim plane ich schon wieder die nächte Tour... Ich fahre nur bis Buru, steige dort ab und gehe über die Fußgängerbrücke ins Dorf, auf der anderen Seite des Aries. Das Magazin Mixt ist dort meine Anlaufstelle wegen Bere komm ich, mit 2lPere geh ich, der hat 53%. Ein Auto nimmt mich mit bis Remetea, ab dort trampe ich weiter mit der früheren Primara von Tejus, die mich bis zu Costel und Monica bringt.
Mit Costel fahre ich, getragen vom Kaufrausch, bis zur Ortsgrenze von Alba Julia. Dort soll ein Betrieb Wanderschuhe herstellen und Einzelstücke auch in meiner Größe verkaufen. Tatsächlich, dort ist das El Dorado für Riesenfüßler.
Nach der Abfahrt von Ralf, Heiner, Helmut & Roswita war bei mir so etwas wie "Der Saft raus". Alba verlasse ich bald mit dem Zug zur Nacht. Budapest Keleti ist schrecklich. So was von demolad, die Farbe löst sich qm-weise von der Decke, die schöne Fußgängerpassage sub Terrain vernagelt. Es graust mich und ich fahre schleunigst in die Slowakei nach Sturovo ins €uroland voraus. Warte lieber hier im Bahnhofskaffee auf den Zug nach Hause, bestelle mir Rührei mit Pilzen und Kaffee. Die letzten Stunden im Zug vor Prag vergehen wie im Flug, es kommen interessante Gesprächspartner ins Abteil. Sonntag Abend schlage ich hier bei Kaiserwetter auf.
So, nun hoffe ich auf paar Ergänzungen in Wort und Bild meiner Wanderfreunde!

1 Kommentar:

EbsEls hat gesagt…

Mir scheint, ich komme bei diesen Schilderungen etwas schlecht weg? Geschieht aber recht: Warum musste ich auch immer bei den Aufstiegen vorher so laut meine Teilnahme per Fuß verfluchen. Als dann der "Heimatschuss" kam, kann ich es niemanden verdenken, dass der Verdacht der Simulation geäußert wird. ... Aber: Mit dem Fahrrad werde ich das Apuseni ganz sicher wieder bereisen!
Gruß EbsEls